Tipps zum Gitarrenkauf

Tipps zum Gitarrenkauf

Die allererste Gitarre ist ja oft nicht gerade die beste. Entweder hat man sie von Oma bekommen, oder ein Verwandter hatte sie noch rumstehen... Für die ersten Schritte sind diese meist sehr billigen Gitarren nicht verkehrt, aber wenn man sich dann sicher ist, das man diesem Hobby auch weiterhin nachgehen möchte, kommt doch schnell er Wunsch nach einer besseren Gitarre auf. Aber auch diese soll ja nicht zuviel kosten, so das ich hier nachfolgend mal einige Tipps zur Auswahl und zum Kauf gebe.

Anspielen und testen ist nie verkehrt, vor allem wenn man im Geschäft eine gute Beratung bekommt. Beim Online-Kauf hat man ein garantiertes Rückgaberecht, das auch praktisch ist, wenn man keinen guten Gitarrenladen in der Nähe hat.

Zuerst muss man natürlich sagen, dass jeder seinen eigenen Geschmack hat, wenn er nach einer Gitarre Ausschau hält.

Vor allem solltet ihr auf drei Dinge achten:

  1. Euch muss das Aussehen und das Spielgefühl der Gitarre gefallen
  2. Ihr solltet den Sound der Gitarre mögen!
  3. Sie sollte zu eurem Budget passen!


Der wichtigste Tipp den ich Schülern und Kursteilnehmern vor dem Kauf gebe ist: Kauft von einer bekannten Firma! Eine Firma die Gitarren von 200,- bis 6000,- Euro und darüber fertigt, hat das Know-How auch preisgünstige Gitarren in Asien in guter Qualität herzustellen.

No-Name-Firmen, die nur billige Anfängergitarren bauen, können eine solche Qualität nie erreichen weil ihnen die Fertigungsmaschinen und das Know-How der Mitarbeiter fehlen. Deren Zielgruppe sind die unwissenden Anfänger bzw. deren Eltern die keinen Unterschied zw. einer guten und einer sehr schlechten Gitarre erkennen können. Wer so eine Gitarre schon mal hatte, wird wissen was ich meine.

Akustische Gitarren

Konzertgitarren

Konzertgitarren haben Nylonsaiten, größere Bünde und der Übergang zum Korpus ist am 12. Bund. Die größeren Bünde machen es vor allem Leuten mit schmaleren Fingern nicht ganz einfach und der Übergang am 12. Bund macht das Spielen dahiner etwas schwierig. Daher ist es für einige Spielvarianten nicht ganz so geeignet. Trotzdem sind die meisten Anfängergitarren Konzertgitarren weil sie preisgünstig herzustellen sind. Aber durch die größeren Bünde und das nicht so einfache Aufziehen der Saiten machen diese Gitarren den Anfänger oft nicht sehr viel Spaß.

Beispiel Konzertgitarre

Westerngitarren

Diese haben Stahlsaiten und dadurch einen lauteren, prägnanteren Klang. Sie sind durchsetzungsfähiger und aus akustischer Folk und Rockmusik nicht weg zu denken. Die Standartgröße nennt sich Dreadnought, diese ist aber relativ groß und dick und daher im sitzen nicht so komfortabl zu spielen. Die sog. Folk-Gitarren sind deutlich kleiner, manchen aber etwas zu klein.

Gitarren, die eine ideale Größe haben, kann man bei Versandhändlern wie Thomann u.ä. unter "Sonstige Größen" finden!

Eine vernünftige Gitarre, die nicht zu viel kostet, mit der man aber viele Jahre Spaß haben kann, bekommt man so ab ca. 200 - 250 Euro.

Kauftipp: Ich persönlich empfehle da z.B. Ibanez Gitarren, die ein super Preis-Leistungsverhältnis haben, oft sogar einen eingebauten Tonabnehmer und Stimmgerät besitzen. Mit der Ibanez AEG8E-Serie kann man nichts falsch machen, es gibt sie auch in div. Farben wie Natur, Schwarz usw.
Wahlweise gibt es noch Firmen Takamine oder Blueridge die auch ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis in dieser Preisklassee bieten.

Natürlich gibt es noch andere gute Firmen, ich erwähne aber hier nur welche, bei denen ich aus Erfahrung sagen kann, das die Qualität entsprechend gut ist. Nur weil eine Firma hier nicht aufgeführt ist, heißt das nicht das sie schlechte Gitarren herstellt. Aber man (in demFall ich) kann nicht alle Gitarren aller Hersteller selbst in der Hand gehabt haben.

Beispiele für Westerngitarren:

Ibanez AEG8E in Natur Blueridge Br 163 Takamine EG260C


E-Gitarren

Bei E-Gitarren gibt es quasi 4 Urformen, je zwei von der Firma Fender und 2 von der Firma Gibson. Diese 4 Urformen sind die Archetypen der E-Gitarre auf denen quasi alle späteren Modelle aufbauen.

Kauftipp

Preisgünstige Fendergitarren gibt es von der Tochterfirma Squier die ein super Preis-Leistungs-Verhältnis haben.
Preisgünstige Gibson-Nachbauten gibt es von der Tochterfirma Epiphone, allerdings sind das meist auch Preis von mind. 350-500 Euros.
Eine günstige Alternative für alle diese Hersteller gibt es von der Firma "Vintage", die getreue Nachbauten von Fender und Gibson Gitarren herstellt.
Ibanez Gitarren sind z.b. bei den Heavy Metal Spielern sehr beliebt und auch im preisgünstigen Bereich sehr gut gebaut.

Hier sollte man sich vor dem Kauf fragen:

  1. Was möchte ich ausgeben? (man braucht ja auch einen Verstärker, Kabel...)
  2. Ist mir das Gewicht der Gitarre wichtig? (Les Paul Gitarren sind relativ schwer, Halbakustische wie die ES335 relativ groß)
  3. Welche Gitarre spielt mein Lieblingsgitarrist bzw. welchen Musik möchte ich spielen? (Pop, Punk, Heavy Metal, Jazz...)

Bei vielen Gitarrenhändlern und Versendern bekommt man gute Einsteigersets von den genannten Firmen. D.h. Gitarre, kleiner Übungsverstärker, Kabel und Stimmgerät zusammen zu einem guten Preis.

Der Hauptunterschied im Klang kommt bei E-Gitarren von den Tonabnehmern. Traditionell verbaut Fender sog. Single-Coils, schmale Tonabnehmer mit einem umwickelten Magneten.

Die Klangcharakteristik des Single Coils kann als höhenreich und transparent beschrieben werden. Die Gitarrenmodelle Stratocaster und Telecaster der Firma Fender waren und sind bis auf Spezialmodelle alle mit zwei (Telecaster) beziehungsweise drei (Stratocaster) Single Coils ausgestattet, die mittels eines Pickup-Wahlschalters in verschiedenen Kombinationen aktiviert werden können.

Gibson Gitarren haben traditionell sog. Humbucker-Tonabnehmer. Dies sind zwei zwei Einzelspulen- bzw. Singlecoil-Pickups. Daher sind sie doppelt so breit wie ein Single-Coil-Tonabnehmer. Humbucker sind lauter, haben einen volleren Klang und werden mehr mit der Rock bis Heavy Metal assoziiert. Perfekt für fetten Rock, aber nicht so ideeal für saubere Akkorde. Das ist dann eher die Bastion der Single-Coils.

Natürlich gibt es inzw. auch Fender Gitarren mit Humbuckern und Gibson Gitarren mit splittbaren Tonabnehmern um mehr Klangvielfalt zu erreichen.

Beispiel für Single-Coil Tonabnehmers

Beispiel eines Single-Coil Tonabnehmers Beispiel eines Single-Coil Tonabnehmers

Beispiel für Humbucker Tonabnehmers

Beispiel eines Humbucker Tonabnehmers Beispiel eines Humbucker Tonabnehmers

Daneben gibt es auch sog. aktive Tonabnehmer, diese haben einen höheren Output und sorgen u.a. für mehr Verzerrung. Daher sind diese Tonabnehmer bei Heavy Metal Spielern oft recht beliebt. Allerdings brauchen Sie eine Batterie die im inneren der Gitarre verbaut ist. Ist diese leer, bleibt auch die Gitarre stumm.

Fender Stratocaster

Die Fender Stratocaster ist heute eine der meistverkauften Gitarren der Welt. Sie war die zweite von Leo Fender entwickelte Gitarre, die in Massenproduktion ging. Ihre Beliebtheit entstand wohl durch die robuste Bauform, den facettenreichen Klang, und die hervorragende Bespielbarkeit. Die in den USA hergestellten Instrumente gelten im allgemeinen als die hochwertigsten (USA Strat). Danach kommen die sogenannten "Tex Mex"-Stratocaster Gitarren. Sie werden in der Fender High-End Fabrik in Mexico hergestellt. In der unteren Preiskategorie rangieren Stratocaster Gitarren der Fender-Tochter Squier. Auch sie werden teils in Mexico, teils aber auch in Fernost hergestellt. Diese Gitarren enthalten nicht so hochwertige Hardware, sind aber auch deutlich preisgünstiger. Stratocaster Nachbauten von teilweise ausgesprochen guter Qualität sind aber auch von anderen Firmen erhältlich wie z.B. von Vintage.

Die Stratocaster wird u.a. gespielt von: Jimi Hendrix, Stevie Ray Vaughan, Eric Clapton, Mark Knopfler (Dire Straits), Rory Gallagher, Jeff Beck u.v.m.

Fender Stratocaster Fender Stratocaster

Fender Telecaster

Die Fender Telecaster ist die erste, in Serie produzierte Gitarre von Fender (1948). Sie hieß zuerst Broadcaster wurde dann aber wegen einer Markenrechtsverletzung umbenannt. Die Tele hat in ihrer Uhrform einen sehr höhenreichen, knackingen Sound und ist sehr Robust aufgebaut. Normalerweise hat sie kein Virbrato sonderen die patentierte Tele-Bridge. Dadurch ist sie sehr Stimmungstabil. In der Bridge sitzt auch der Bridgepickup, die Saiten laufen durch den Korpus und stecken hinten mit dem Ballend in einer Buchse. Insgesamt hat die Tele nur zwei Pickups, beides traditionell Singlecoils. Ihr Klang ist etwas cleaner, akustischer. Daher eigenet sie sich hervorragend für Rhythmusgitarristen, die viele Akkorde spielen, wie z.B. Keith Richards, Bruce Springsteen usw.

Inzw. gibt es auch viele Varianten mit Humbuckern, die damit auch guten Rocksound liefern.

Die Telecaster wird u.a. gespielt von: Keith Richards, Bruce Springsteen, fast allen Country-Gitarristen ...

Fender Telecaster Fender Telecaster


Ähnliche Modelle von Fender sind z.B. die Jazzmaster und die Jaguar Modelle.

Diese Modelle sind besonders in der Surf-Rock Szene der 60er Jahre und bei Grunge Bands der 90er Jahre enorm beliebt (z.b. Kurt Cobain).

Fender Jazzmaster Fender Jaguar

Gibson - ES-335

Die Gibson ES-335 wurde 1957 entwickelt. Man wollte eine Gitarre bauen, die einerseits soundtechnisch nahe an Solid-Body-Gitarren heran kam, andererseits aber einen Gewichtsvorteil gegenüber obig genannten Modellen haben sollte. Diese Gitarrenform wird als Halbakustik bezeichnet. Die Tonabnehmer wurden in den Holzblock, welcher zwischen Decke und Boden als Weiterführung des Halses verläuft, montiert. Dies hatte einen guten Sustain zur Folge. Ebenfalls ins klangliche Gewicht fielen die beiden "f"-förmigen Öffnungen, die wir auch von beispielsweise einer Geige kennen.

Über die Jahre hinweg gab es noch einige Nachfolgermodelle wie z. B. ES-339, die einen kleineren und damit angenehmer spielbaren Korpus besitzt.

Berühmte ES-335 Spieler sind u.a. B.B. King (seine Lucille hat keine F-Löcher), Alvin Lee, Freddie King, Noel Gallagher (Oasis) ...

Gibson ES335 Gibson ES339

Gibson Les Paul

Die erste Gibson Les Paul wurde 1952 herausgebracht. Sie sollte Gibsons Antwort auf den Verkaufsschlager Telecaster der Firma Fender sein. Vom Prinzip her ist die Les Paul so aufgebaut: Die Decke (oben) besteht aus Ahorn, wegen des hellen und knackigen Sounds, der Boden besteht aus Mahagoni, wegen des warmen und weichen Sounds. 1954 verwendete man dann die tune-o-matic Bridge und schließlich folgten 1957 die Humbuckers.

Diese Kombination verlieh dieser Gitarre ihren ganz eigenen Sound. Bis heute wurden unzählig verschiedene Modelle auf den Markt gebracht. Durch den fetten Humbucker Sound ethablierte sich die Gitarre in fast allen Bereichen der Musik. Größen wie z. B. Gary Moore oder Slash nutzen die Vorzüge dieser Gitarren!

Les Paul Spieler sind u.a. Slash, Joe Bonamassa, Duane Allman, Chuck Bery, Eric Clapton (in seiner Anfangszeit), Joe Perry von Aerosmith...

Gibson Les Paul Gibson Les Paul
Weitere Modelle von Gibson

Ähnliche Modelle von Gibson sind z.B. die SG (u.a. gespielt von AC/DC Gitarrist Angus Young) oder die Firebird oder die Flying V.

Gibson SG Gibson Firebird Gibson Flying V

Heavy Metal Gitarren

Heavy Metal Gitarren heben sind durch Tonabnehmer und Aussehen von den Klassikern ab. Oft werden aktive Tonabnehmer verbaut die höhren Output liefern für mehr Lautstärke und Verzerrung. Hier kann man für gute Qualität auch im preisgünstigen Bereich die Firmen Ibanez, Yamaha und ESP nennen.

ESP Heavy Metal Gitarre Ibanez Heavy Metal Gitarre

Verstärker

Verstärker sind wieder ein ganz eigenes Thema, besonders wenn man daheim üben aber trotzdem einen vernünftigen Sound haben möchte.

Bei Verstärkern gibt es quasi vollgende Unterteilungen:

Transistorverstärker

+ Klein, billig herzustellen, leicht zu transportieren. Von klein bis groß = laut zu haben.
- Meistens ein eher schlechter Klang, vor allem bei Verzerrung und Rocksounds

Röhrenverstärker

+ Guter Sound von clean bis verzerrt, bis heute die Wahl aller Halb- und Voll-Profis.
- Relativ teuer, schwer und oft zu laut für die Wohnung

Hybridverstärker

Die haben eine kleine Röhre eingabaut um etwas wie ein Röhrenverstärker zu klingen, sind aber trotzdem nichts halbes o. ganzes.

Digital-Verstärker

Relativ neu auf dem Markt und haben die Vorteile der Transistorsounds bezügl. Gewicht und Preis.
Aber die preisgünstigen sind im Klang meisten auch nicht besonders toll.

Effekte

Traditionell haben Verstärker mehr oder weniger nur zwei Grundsounds, clean fürs Akkordspiel und entsprechende Musikstile und verzerrt für Rocksounds.

Will man noch Hall, Delay .... haben muss man entweder einen Amp kaufen der diese Effekte eingebaut hat (was meist vom Klang her nicht besonders ist) oder extra noch Bodenpedale dazukaufen (was Geld und Platz kostet).

DER Übungsamp

Der für daheim aus meiner Sicht beste Amp ist der Fender Mustang in der Variante 1 oder 2. Den Mustang gibt es von I = klein bis 5 = groß und laut.
Dieser ist ein Digitalamp, aber eben von Fender und damit mit einem in dieserr Preisklasse sehr guten Sound.

Für Einsteiger reicht der Mustang 1 mit 20 Watt oder der 2 mit 40 Watt und einem Preis von ca. 135,- (der 1) oder ca 200,- Euro für den 2.

Hier sind mehrere berühmte Ampsounds von Fender und Co. quasi eingefangen worden und man hat bei diesen eine Möglichkeit von cleanen, über angezerrte Sounds (für Blues und Jazz) bis hin zum Hard Rock/Heavy Metal Sounds zu wählen.

Die noch größeren Versionen ab dem 3er haben noch mehr Effekte, jede Menge digitale Einstellungsmöglichkeiten, Software für den PC usw. aber all das wird die meisten Anfänger eher überfordern bzw. werden Sie diese kaum nutzen.

Wenn man nicht weiß was all die Einstellungen bedeuten, sind die Ergebnisse meist auch nicht sonderlich gut. Dieses Problem hat man beim 1er oder 2er nicht und in dieser Preisklasse und für zuhause ist das wirklich eine absolute Kaufempfehlung.

Fender Mustang Verstärker Fender Mustang Verstärker von oben

 

Ich hoffe diese kleine Zusammenstellung hat euch etwas weitergeholfen.

Dirk Hagemann

Dirk